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Schenkt man den Zahlen des US-Chemieverbands ACC Glauben, dann werden sich die Investitionen in Chemieanlagen weltweit innerhalb von acht Jahren verdoppeln — und im Jahr 2018 insgesamt 487 Milliarden Euro erreichen. Verantwortlich dafür sind die globalen Megatrends: weltweites Bevölkerungswachstum, eine wachsende Mittelschicht in Schwellenländern und der Hunger nach Rohstoffen.

 
Weltweit haben Chemiekonzerne riesige Projekte angeschoben. Allein BASF hat sich vorgenommen, den Umsatz von derzeit rund 74 Milliarden Euro auf 110 Milliarden Euro im Jahr 2020 zu steigern. Um diese Zahl Realität werden zu lassen, investiert das Chemieunternehmen jährlich rund vier Milliarden Euro in neue Anlagen. Beim Rivalen Dow sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten: Derzeit hat das US-Chemieunternehmen gleich mehrere Mega-Projekte im Bau. Am saudischen Industriestandort Al Jubail stampft der Chemiemulti gemeinsam mit dem Ölkonzern Saudi Aramco für rund 10 Milliarden Euro den Petrochemiekomplex Sadara aus dem Wüstenboden. Gleichzeitig hat Dow im Juni im texanischen Freeport mit dem Bau eines 1,3 Milliarden Euro teuren Ethancrackers begonnen, der ab 2017 jährlich 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff- und Elastomerprodukte liefern soll.

 

 

Veränderte Projektstrukturen

Neben aller Euphorie stehen Anlagenbauer aber auch vor Herausforderungen – wie vielerorts auf der ACHEMA zu hören war. Dem Angebot im Anlagenbau stehe eine im Volumen tendenziell konstante, aber strukturell veränderte Nachfrage gegenüber – “die einzelnen Projekte werden immer größer“, attestierte kürzlich auch Prof. Dr. Aldo Belloni, der im Vorstand des Linde-Konzerns für die Engineering Division verantwortlich zeichnet. Europäische Anlagenbau-Anbieter, die ihren Schwerpunkt traditionell in der Technologiekompetenz sehen, fehlt auf der einen Seite das Personal für die Montageabwicklung, andererseits erfordert die Übernahme der mit Megaprojekten verbundenen finanziellen Risiken Anlagenbauunternehmen mit einer kritischen (Umsatz)-Masse. Außerdem müssen Anlagenbauer dazu in der Lage sein, hochkomplexe Hightech-System an immer unwirtlicheren Orten auf der ganzen Welt zu installieren.

 

Vor allem in den Jahren 2008 bis 2014 haben deutsche Anlagenbauunternehmen deshalb zahlreiche Großprojekte im Mittleren Osten an Wettbewerber aus Südkorea und China verloren. Die Wettbewerber aus Südostasien zeichneten sich in der Vergangenheit durch eine große Risikobereitschaft und extrem aggressive Preise aus.

 

 

Europäische Anlagenbauer profitieren von Schiefergas-Boom

Dass die vergangenen Jahre für den europäischen und deutschen Chemieanlagenbau trotzdem sehr erfreulich waren, liegt unter anderem am Schiefergas-Boom in den USA. Aufgrund der Öl- und Gasflut sind die Rohstoffpreise für amerikanische Chemieunternehmen stark gesunken – die Industrie investiert derzeit massiv in den Ausbau ihrer Produktionsstätten. Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens IHS wird die Förderung unkonventioneller Energieträger wie Schiefergas und Schieferöl bis 2025 allein in der US-Chemie Investitionen in Höhe von 79 Milliarden Euro anschieben. Es könnte aber auch mehr werden. Denn allein in 2013 waren in den USA 126 Chemieprojekte mit einem Gesamtvolumen von 66 Milliarden Dollar angekündigt worden. Bis 2018 wird dem Branchenverband ACC zufolge ein Zehntel der globalen Chemieinvestitionen in den USA getätigt werden.

 

In den USA können Anlagenbau-Dienstleister aus Europa vor allem mit High-Tech-Lösungen punkten und treffen vor Ort auf eine Struktur, in der eine Arbeitsteilung zwischen Verfahrensgebern und Planern auf der einen Seite — und der Montageabwicklung durch Engineeringunternehmen vor Ort auf der anderen Seite geübte Praxis ist.

 

Auch wenn also der Wettbewerb um Großprojekte aufgrund der zunehmenden asiatischen Konkurrenz und veränderter Projektstrukturen immer härter wird. Die Aussichten für den Chemieanlagenbau, darin waren sich die Aussteller auf der ACHEMA einig, sind mehr als positiv.

 

Auf der ACHEMA 2018 wird es also viel zu berichten geben.

 

ACHEMA 2018

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