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„Noch vor sechs Jahren haben wir bei der ACHEMA über die Knappheit von Ölquellen gesprochen.“ Die Frage nach der Bioökonomie wurde damals laut. Nun ist Fracking in aller Munde, also die Förderung von Shale-Gas. Können biobasierte Produkte mit der billigen Ressource konkurrieren? Oder hat die Bioökonomie das Nachsehen? Mit diesen zentralen Fragen eröffnete Kurt Wagemann, Geschäftsführer der DECHEMA e. V., die ACHEMA-Podiumsdiskussion „Bioökonomie in der Shale-Gas-Falle?“.

Die Diskussionsrunde war hochkarätig besetzt. Einer der Gesprächsteilnehmer: Holger Zinke, nicht nur Vorstandsvorsitzender der BRAIN AG, sondern als Mitglied des Bioökonomierates auch Berater der Bundesregierung. Zinke sieht die Bioökonomie als Gewinner: Sicherlich, Shale-Gas werde kurzfristig erfolgreich sein. Aber, die Bioökonomie stehe auf Seiten des gesellschaftlichen Wandels: „Das politische und gesellschaftliche Denken hat sich in den letzten Jahren verändert“, erklärt Zinke. Das sei die eigentliche Revolution. Vor noch etwa 10, 15 Jahren sei Nachhaltigkeit etwas „Esoterisches“ gewesen. Heutzutage tauche die Frage der Nachhaltigkeit fast überall auf: Sowohl in Regierungserklärungen als auch in Präambeln von Dax-Konzernen.

Premium für biobasierte Produkte

Wolfgang Büchele, Vorstandsvorsitzender der Linde AG, meint, die Euphorie sei zurückgegangen. Die Märkte sind unsicher. Je höher der Ölpreis, desto wirtschaftlicher sei Fracking. Deshalb nehme Shale-Gas in den USA derzeit so stark an Fahrt auf. Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank sieht es ähnlich: Shale-Gas wird sich aufgrund des niedrigen Preises durchsetzen. Fraglich sei, ob Kunden bereit sind, für biobasierte Produkte mehr zu zahlen. Durchaus, meint Holger Zinke, der ein Premium für biobasierte Produkte sieht: „Was machen Produkte mit mir? Wo kommen sie her?“ Genau das seien die Fragen, die Verbraucher bei Kauf-Entscheidungen antreibt. „Es findet ein Wandel im Bewusstsein statt.“ So wachse beispielsweise der Konsum von Naturkosmetik.

China als Treiber der Bioökonomie?

„Der Wohlstand nimmt weiter zu.“ Das stärke das Bewusstsein für biobasierte Produkte, attestiert Weinberg. Der Finanzmarkt vertraue dem Thema allerdings nicht blind. Unterstützung für die Bioökonomie komme aus China: Dort sei nachhaltiges Wirtschaften und Umweltschutz ein immer wichtiger werdendes Thema. Ein Zeichen dafür, dass dort der Wohlstand wächst. Ist die Bioökonomie also das Aushängeschild wohlhabender Nationen? Gernot Kalkoffen, Vorstandsvorsitzender von ExxonMobil Central Europe und ebenfalls einer der Diskussionsteilnehmer, ist skeptisch: Lebensqualität und Lebensstandard seien für Menschen wichtig. „Die Leute wollen auch weiterhin in Urlaub fahren.“ Es stelle sich die Frage: Werden Menschen im Sinne von Umweltschutz und Nachhaltigkeit ihre Lebensqualität reduzieren.

„Am Ende des Tages stehen biobasierte Produkte im Wettbewerb“

„Am Ende des Tages stehen biobasierte Produkte im Wettbewerb“, ergänzt Wolfgang Büchele. Anlagen der Bioökonomie beispielsweise müssten kleiner sein als herkömmliche. Das allerdings habe Grenzen: Sinkt die Jahresproduktion unter 100.000 Tonnen, dann mache es aus seiner Sicht keinen Sinn: „Wie klein darf eine Anlage sein, damit sie noch wirtschaftlich arbeiten kann?“. Holger Zinke: „Die Bioökonomie ist nicht die Lösung für alles.“ Sie müsse sich im System richtig aufstellen. Selbstverständlich werde es keine Weizenpipeline geben. Vieles aber sei lösbar, wenn man neu denkt.

“Nachwachsende Rohstoffe sind nicht unendlich.“ Die Anbauflächen seien begrenzt, meint auch Weinberg. Genauso wie Wasser, das dem Agrarsektor zur Verfügung steht. Allerdings seien die Ertragssteigerungen nicht ausgeschöpft.

„Alles Neue muss nicht schlecht sein“

„Wir müssen uns die Option Schiefergas offenhalten“, meint Kalkoffen. Erkundung sei Voraussetzung, um entscheiden zu können. Büchele rät allen Deutschen, neuen Innovationen offen gegenüberzustehen. Unser Lebensstandard und unsere Lebensqualität müssten auch in Zukunft finanzierbar sein. Innovationen sollten die Möglichkeit haben, das Licht der Welt zu erblicken. Wenn sie nicht bei uns entstehen, dann wird das irgendwo anders geschehen: „Alles Neue muss nicht schlecht sein.“

Bioökonomie ja, aber „auf absehbare Zeit können wir nicht auf Gas verzichten“, sagt Kalkoffen. „Die G7 haben beschlossen, dass wir bis zum Jahr 2100 aus Kohle und Öl aussteigen.“ Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Erdgas müsse Back-up bleiben, als Energiespeicher für Erneuerbare Energien. Bücheles Prognose für die nächsten Jahre: „Wir werden einen Mix sehen“.

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