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Ein Teppich aus Maisstärke. Ein T-Shirt, gefertigt aus Kaffeeresten. Geschirr aus Bambus, Getränkeflaschen aus Bioplastik, Speiseeis aus Lupinen-Protein. Oder Dübel, zu 50 Prozent aus Rizinusöl hergestellt. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, schlendert man durch die Bioökonomie-Ausstellung der ACHEMA. Dort ist eine hypothetische Wohnung mit Werkstatt aufgebaut, die erahnen lässt, welche Potentiale die Bioökonomie bietet. Das Besondere: Alle dort gezeigten Alltagsgegenstände haben einen bio-basiereten Anteil. Zahnpasta mit Mikroorganismen – nur eines von vielen Beispielen: Die Zahncreme enthält Milchsäurebakterien, die sich im Mund an Karrieserreger heranmachen. Dabei entstehen Aggregate, die sich beim Ausspülen leicht entfernen lassen.

 

Autoreifen aus Löwenzahn-Kautschuk

Interessant auch die fiktive Werkstatt: Dort sind Autoreifen aus Löwenzahn-Kautschuk zu bestaunen.
Schon die Maya nutzten den weißen Saft des Kautschuk-Baums als Gummi-Lieferant. Ein Material, das im 20. Jahrhundert eine Renaissance erlebte: Einige Winterreifen bestehen heute zu 40 Prozent aus dem verarbeiteten Baumsaft. Der Vorteil: Naturkautschuk bleibt selbst bei tiefen Temperaturen elastisch. Allerdings sind viele Kautschukbaum-Plantagen von Pilzen befallen. Zudem schwankt der Weltmarktpreis für den natürlichen Gummi. Gefragt sind also Alternativen. Diese sehen Wissenschaftler in Löwenzahn. Eine ausgewachsene Löwenzahn-Pflanze liefert etwa 1 Milliliter Milchsaft. Das erscheint zunächst nicht viel. Aber die Pflanze wächst schnell, mehrere Ernten pro Jahr sind möglich. In den kommenden Jahren, so prognostizieren Bioökonomen, stehe die Züchtung stabiler Produktionspflanzenlinien für den Plantageneinsatz an.

 

Das Beispiel Löwenzahn zeigt: Umdenken ist angesagt. Angesichts knapper Ressourcen und einer wachsenden Weltbevölkerung ist die Menschheit gefordert, neue, nachhaltige Arten des Wirtschaftens zu entwickeln. Will der Mensch Umwelt und Klima erhalten, muss er auf biologische Rohstoffe und neue Technologien zu deren Nutzung setzen. Das bio-basierte Wirtschaften, also die “bio-based world” ist eines der Fokusthemen der diesjährigen ACHEMA: Wirtschaftlich nutzen, was auf Feldern und in Wäldern wächst, anstatt auf Ölquellen zu vertrauen – die früher oder später versiegen werden. So werden beispielsweise für die Herstellung von Plastikflaschen derzeit jährlich etwa 20 Millionen Barrel Öl verbraucht. Mittlerweile ist es aber möglich, den Bestandteil Monoethylenglycol (MEG) aus Bioalkohol herzustellen. Der wiederum wird aus der natürlichen Ressource Zuckerrohr gewonnen. Und damit könnten – gegenüber der erdölbasierten Herstellung – 20 Prozent Kohlendioxid eingespart werden.

 

Sinnvolle Reste-Verwertung: Kleidung aus Milch

Biomasse sollte, darin sind sich Experten einig, immer zunächst der Ernährung dienen. Es gilt: „Food, Feed, Fiber, Fuel“ – also zunächst Essen für Mensch und Tier (food, feed). Dann folgt die Nutzung als industrieller Rohstoff (fiber) und dann der Einsatz zur Energieproduktion (fuel). Dass nach „food“ und „feed“ einiges an Biomasse übrig bleibt, zeigt das Beispiel Milch: In Deutschland fallen etwa 1,9 Millionen Tonnen Milch an, die die Lebensmittelindustrie nicht weiter verwerten kann. Dazu gehört in der Käseherstellung anfallendes Milchfiltrat. Das darin enthaltene Protein Casein ließe sich weiter nutzen: Casein wird zu Fasern geformt – und daraus letztendlich Kleidungsstücke hergestellt. Im Vergleich zu Baumwoll-Verarbeitung können dabei sogar erhebliche Wassermengen eingespart werden.

 

An Materialien hält die Natur also einiges bereit. Wie vielfältig diese im Alltag genutzt werden könnten, lässt die ausgestellte „Bioökonomie-Wohnung“ der ACHEMA erahnen.

 

BiobasedWorld auf der ACHEMA 2015 bietet Bioökonomie zum Anfassen: Besuchen Sie im Foyer der Halle 4.1 den Stand A39 und sehen Sie, wie die Bioökonomie bereits Einzug in Ihr Zuhause gehalten hat.

Oder fogen Sie dem grünen Band der Bioökonomie, spazieren Sie entlang der Via Mobile und wuscheln Sie durch Weizen, Mais und Rizinuspflanzen.

Musterpflanzungen zeigen Ihnen, was als Rohstoff in Bioraffinerien hineingefüllt wird. In der Galleria angekommen können Sie einen Blick in das Schaufenster Bioökonomie des BMBF werfen und sehen, wie der Stand der Forschung ist und was in Zukunft alles aus Bioraffinierien herauskommen könnte.

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