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Bis 2050 sollen, so die klimapolitischen Vorgaben der Bundesregierung, die nationalen CO2-Emissionen – im Vergleich zum Jahr 1990 – um 80 Prozent gesunken sein. Um dieses Ziel zu erreichen, wird die Stromerzeugung sukzessive auf regenerative Energiequellen umgestellt. Vor allem der Ausbau von Windkraft und Photovoltaik steht im Vordergrund. Läuft alles wie geplant, so werden bis 2020 mehr als 100 GW Wind- und Photovoltaik-Leistung installiert sein. Das übertrifft bei Weitem den Bedarf, der hierzulande auf etwa 40-70 GW beziffert wird.

 
Das heißt: In Zeiten hoher Sonneneinstrahlung und hohen Windaufkommens wird deutlich mehr Strom produziert, als tatsächlich nötig wäre. Wohin damit? Sicher ist: Im Sinne des Klimaschutzes gilt es den Überschuss möglichst sinnvoll zu nutzen.

 
Eine Option ist die Elektrolyse von Wasser zur Gewinnung von Wasserstoff: Dieser kann auf vielfältige Weise in der stofflichen und energetischen Wertschöpfung genutzt werden: “Regenerativer Wasserstoff ist ein Ausgangsstoff für viele Chemieprodukte” erklärt Prof. Dr. Kurt Wagemann. Der DECHEMA-Geschäftsführer will unter anderem auch dieses Thema in der von ihm geleiteten Podiumsdiskussion “Bioökonomie in der Shale Gas Falle?” ansprechen – also der Frage nachgehen: Kommt – neben Shale Gas und Biomasse – ein dritter Key-Player ins Spiel: Regenerativer Wasserstoff aus Überschussstrom?

 
Wasserstoff kann reversibel in chemischen Verbindungen gebunden und bei Bedarf zur Nutzung wieder freigesetzt werden. So lässt sich Wasserstoff mit CO2 zu Methan umsetzen – und in das Erdgasnetz einspeisen. Aus Wasserstoff und CO2 ließe sich aber auch Methanol herstellen. Methanol kann in Form von Derivaten wie Dimethylether als Kraftstoff dienen oder zu anderen Basischemikalien umgesetzt werden. Und das sind nur einige der zahlreichen Möglichkeiten, die zeigen, wie vielfältig sich Wasserstoff nutzen ließe. Interessant ist das für zahlreiche Abnehmer: Für Chemieanlagen oder Bioraffinerien genauso wie für Erdölraffinerien, deren Wasserstoffbedarf zur Aufbereitung schwerer Erdölqualitäten zunimmt.

 
Das sei aber vor allem ein Zukunftsthema, dämpft Wagemann allzu große Erwartungen: “Erst in 20 bis 30 Jahren wird die hierfür benötigte Menge an Überschussstrom ausreichen.” Dennoch, alternative Überlegungen zu Schiefergas und Bioökonomie sollen erlaubt sein: Schiefergas wird wenn überhaupt nur einen Teil unseres Erdgas-Bedarfes decken können. Und auch im Bereich der Bioökonomie sind noch einige Fragen offen: Die Prozesskosten der bio-basierten Wirtschaft sind hoch. Die Frage sei, so Wagemann, ob Investoren bereit sind, das nötige Kapital aufzubringen. Wagemann vermutet, dass biobasierte Produkte beim Verbraucher nur dann eine Chance haben, wenn sie zum gleichen Preis wie herkömmliche Produkte angeboten werden.

 
Hohe Preise könnten der Bioökonomie also im wahrsten Sinne des Wortes das Geschäft erschweren. Vielleicht könnte Regenerativer Wasserstoff – zumindest als ergänzende Möglichkeit – in Zukunft also noch sehr interessant werden.

 
Die ACHEMA-Podiumsdiskussion “Bioökonomie in der Shale-Gas-Falle?” findet statt am Dienstag, 16.06.2015 zwischen 10.30 und 12:00 Uhr in Halle 4.0, Saal Europa.

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