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Die Ziele der Deutschen Energiewende sind hochgesteckt: 40 Prozent weniger CO2-Ausstoß bis 2020 – und 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien bis 2050. Erste Erfolge gibt es: Bereits 27 Prozent unseres Strombedarfs decken erneuerbare Energiequellen. Allerdings gibt es noch einiges zu tun, wie Dr. Florian Ausfelder von der DECHEMA berichtet. Der Chemiker wird die ACHEMA-Podiumsdiskussion “Deutsche Energiewende – Zukunft oder Abseits?” moderieren.

 
“Bisher ist die Energiewende nur eine Stromwende”, erklärt Ausfelder, mit dem wir im Vorfeld über einige der anstehenden Diskussionspunkte sprechen konnten, “in den Bereichen Mobilität und Wärme tut sich noch nicht genug.” Zwar gäbe es bereits einige Wasserstoff- oder Elektroautos. Aber von einer Massenbewegung sind wir noch weit entfernt. Ein Grund, meint Ausfelder vielleicht etwas scherzhaft, könne sein, dass diese Fahrzeuge längst nicht die Kombination aus Geschwindigkeit und Reichweite bieten, die die Autofahrer-Nation Deutschland gewohnt ist. “Und auch der Bereich Wärmegewinnung wird extrem unterschätzt.” Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Baden-Württemberg hat beispielsweise ausgerechnet, dass durch eine Wärmerückgewinnung bei Lüftungsanlagen über drei Viertel der eingesetzten Wärme wieder verwendet werden könnte. Prozesswärme ließe sich durch die Einspeisung in ein Fernwärmenetz nutzen. Momentan aber drehe sich die Energiewende vor allem um das Thema Strom. Das sei nun einmal präsenter, meint Ausfelder. Eine Solaranlage könne sich jeder auf sein Dach bauen.

 

Herausforderung Dekarbonisierung

Was aber kann die Industrie tun, um die Energiewende insgesamt voranzubringen? “Langfristig besteht für Unternehmen die große Herausforderung der Dekarbonisierung”. Das heißt, Firmen müssen ihre CO2-Freisetzung vermeiden oder kompensieren. Das große Ziel heißt CO2-Neutralität der Wirtschaft. In diesem Bereich sieht Ausfelder noch deutlichen Handlungsbedarf. Derzeit profitiere die Industrie in erster Linie von dem Vorhaben Energiewende. Insbesondere solche Unternehmen, die Strom-Großverbraucher sind: “Für sie sind aufgrund von Sonderregelungen die Strompreise gesunken.” Kosten, die letztendlich auf kleinere Unternehmen und private Haushalte übertragen werden.

 

Bessere Absprachen im Forschungsbereich nötig

Wie kann aus der angestrebten Energiewende also eine echte Energiewende werden? Muss mehr in Forschung investiert werden? “In Forschung wird bereits viel Geld gesteckt. Die Frage ist vielmehr, ob das Geld immer effizient genutzt wird” sagt Ausfelder, der derzeit vor allem Kommunikationsprobleme bei den heterogenen Akteursgruppen ausmacht: “Praktiker, wie beispielsweise Anlagenbauer, und Forscher könnten sicherlich noch besser zusammenarbeiten”, sich besser aufeinander abstimmen. Das würde sich Ausfelder auch für die beiden beteiligten Ministerien wünschen: Das Bundeswirtschaftsministerium BMWi ist eher für die angewandten Projekte der Energieforschung zuständig. Das Forschungsministerium BMBF fördert Grundlagenforschung. Bei vielen Vorhaben seien mehr Absprachen wünschenswert. Und, so Ausfelder, vielleicht müsse sich die Forschung auch verstärkt am Markt orientieren: “Wird tatsächlich immer das erforscht, was realistische Chancen hat – auch ohne dass es staatlich gefördert wird?”

 

Europa mit Deutscher Energiewende überfordert

Ein weiterer Punkt, der vor allem unsere europäischen Nachbarn umtreibt, sei die Frage, wie sich die Deutsche Energiewende innerhalb Europas integrieren lässt. „Die Folgen des EEG haben Auswirkungen auf die Energiesysteme der Nachbarn“, die nationalen Gesetze müssten besser harmonisieren, meint Florian Ausfelder. Diesem Thema will sich demnächst die EU im Rahmen einer Europäischen Energieunion annehmen.

Mehr Harmonie – und vor allem eine bessere Kommunikation – sowohl unter europäischen Nachbarn als auch bei Forschern und Anwendern. Dann werden sich die hohen Ziele der Energiewende möglicherweise besser umsetzen lassen. Wie all das gelingen kann, will Dr. Florian Ausfelder gemeinsam mit seinen Diskussionspartnern am 17. Juni während der ACHEMA erörtern.

 
Die ACHEMA-Podiumsdiskussion “Deutsche Energiewende – Zukunft oder Abseits?” findet statt am Mittwoch, 17. Juni, von 13:30 bis 15:00 (Halle 4.0 Saal Europa).

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Ein Kommentar zu “Interview: “Bisher ist Energiewende nur eine Stromwende”

  1. Fragen zur Podiumsdiskussion:

    1) Wieso nehmen daran nur Befürworter der Energiewende teil? Um einem wissenschaftlichem Anspruch zu genügen , müßte auch jemand dabei sein, der die ideologisierte Umsetzung kritisch hinterfragt (EEG usw.). Z.B. Prof Joachim Weimann (Uni Magdeburg, FAZ; 15.06.2015; Seite 16).
    2) Wieso wird die Bedeutung der Bevölkerungszunahme ( Plus 2 Mrd. bis 2050) nur am Rande diskutiert? 9 Mrd. Menschen sind von dem Planeten nicht auszuhalten. Ist die ganze CO2-Diskussion deshalb nicht eine Illusion, schön geredet von den Nutznießern?

    Christian Gnabs

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