Home

Noch vor wenigen Jahren sah es so aus, als ob zukünftig kein Weg vorbei führen wird an einer biobasierten Wirtschaft – also an einem Wirtschaften, das nutzt, was auf Feldern und in Wäldern wächst.
Doch dann kam das Shale-Gas. Eine billige Ressource.
Was bedeutet das für die junge Bioökonomie? Verschläft die Welt im Shale-Gas-Rausch gar die Entwicklung biobasierter Verfahren, die langfristig eben doch gebraucht werden? Und wie lange kann und wird der Shale-Gas-Boom anhalten? Diesen und anderen Fragen wird Prof. Dr. Kurt Wagemann, Geschäftsführer der DECHEMA e. V., nachgehen – gemeinsam mit weiteren Experten im Rahmen der ACHEMA-Podiumsdiskussion “Bioökonomie in der Shale-Gas-Falle?”.
Shale-Gas, hierzulande auch Schiefergas genannt, wird mittels Hydraulic Fracturing (kurz “Fracking”) gewonnen. Ein Prozess, der umstritten ist – allein schon aus Umweltschutz-Gesichtspunkten. Steht der Hype um Shale-Gas also im Widerspruch zu der heute überall als Leitbild proklamierten Nachhaltigkeit?

 

Shale-Gas und die Frage der Nachhaltigkeit

“Nachhaltigkeit hat immer drei Säulen”, erklärt Prof. Wagemann, mit dem wir im Vorfeld über die verschiedenen Aspekte der Problematik sprechen konnten. Neben ökologischen Fragen seien dies eben auch ökonomische: “Die Wirtschaftlichkeit eines Prozesses muss gewährleistet sein.” Und drittens gehe es um soziale Aspekte, insbesondere die Sicherung von Arbeitsplätzen. Für Shale-Gas heißt das konkret: Es handelt sich zwar um einen fossilen Rohstoff. Aber: Strom aus Schiefergas ist weniger klimaschädlich als Strom aus Kohlekraftwerken. Außerdem helfen kostengünstige Rohstoffe, die Chemie-Industrie im Land zu halten. Und das wiederum sichert Arbeitsplätze.
Dagegen stehen die Vorteile der Bioökonomie: Klimafreundlich werden nachwachsende Rohstoffe genutzt. Neue Arbeitsplätze könnten im Agrarsektor entstehen. Die Nachteile: Große Anbauflächen sind nötig – große Mengen Dünger müssen eingesetzt werden. Das wiederum kann zu Grundwasserverunreinigungen und zu Klimaschäden führen. “Zudem sind die Prozesskosten in der Bioökonomie meist hoch”, erklärt Wagemann, Agrarprodukte werden in der Fläche produziert. Das sei eine logistische Herausforderung. Lange Transportwege für große Mengen seien nötig.

 

Know-how verschiedener Technologien gefragt

Überhaupt sind rund um das Thema Kosten noch einige Fragen offen: Beispielsweise, ob neue Geschäftsmodelle nötig sind für die bio-basierten Produktionsmodelle? Andere als die fossil-basierten Wertschöpfungsketten? Schwer zu sagen, meint Wagemann, “grundsätzlich aber muss der Trend zu mehr branchenübergreifenden Kooperationen gehen”. Etwa bei der Frage, wer eine Bioraffinerie betreibt. Know-how aus verschiedenen Technologien müsse einfließen, beispielsweise aus dem Agrar- und dem Chemiesektor.

 

Sind ein solches Umdenken und die entsprechenden Anlagen realisierbar? Genau hier sieht Wagemann derzeit noch Schwierigkeiten: “Die Frage ist, ob Investoren bereit sind, das nötige Kapital aufzubringen, oder ob ihnen ein solches Investment nicht zu riskant ist. Sind die Renditeerwartungen hoch genug?” Fragen, die sich die Bioökonomie in den nächsten Jahren wird stellen müssen. Fragen, die der biobasierten Wirtschaft die Existenz erschweren könnten.
Ein Vorteil für Shale-Gas? Nicht unbedingt. Die Kritiker des Frackings halten dagegen, dass in den dicht besiedelten Ländern Europas die Schiefergas-Gewinnung schwer umsetzbar sei. Durchaus berechtigt meint Wagemann. “Die zweite Frage ist, wie viel ließe sich bei uns überhaupt fördern”. Schätzungen gingen davon aus, dass die Schiefergas-Vorkommen in Deutschland ein Viertel unseres Erdgas-Verbrauches für 20 Jahre decken könnten. Also wenn überhaupt nur einen Teil des gesamten Bedarfs.

 

Fracking nur bei nassem Erdgas?

Eine weitere entscheidende Frage sei, so Wagemann, ob es sich in Deutschland um trockenes oder nasses Erdgas handelt. Trockenes Erdgas besteht fast nur aus Methan. Nasses Erdgas dagegen enthält größere Anteile an Ethan, Propan und Butan. Diese höheren Kohlenwasserstoffe lassen sich auch für die Chemieproduktion nutzen. Ein Punkt, der für die Förderung von Schiefergas sprechen würde. “Geeignete Probebohrungen sind mir aber nicht bekannt”, ergänzt Wagemann.
Shale-Gas oder Bioökonomie? Die Frage hat viele Facetten. Beide Seiten haben ihre Pros und Kontras – und werden bei den ACHEMA-Teilnehmern für viel Gesprächsstoff sorgen.

 
Die ACHEMA-Podiumsdiskussion “Bioökonomie in der Shale-Gas-Falle?” findet statt am Dienstag, 16.06.2015 zwischen 10.30 und 12:00 Uhr in Halle 4.0, Saal Europa.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s